Privatpraxis Dr. Jochen Krüger

Leben mit einer vestibulären Störung

Die Qualität der sozialen, Arbeits- und familiären Beziehungen einer Person mit einer vestibulären Störung verändert sich und beeinflusst ihr Leben in vielerlei Hinsicht.

Ein beschädigtes oder krankhaftes vestibuläres System wirkt sich nicht nur auf das körperliche Gleichgewicht aus, sondern auch auf die Fähigkeit zur Durchführung der Alltagsaktivitäten.

Für eine Person mit vestibulärer Störung ist es schwer, das Gleichgewicht zu finden, wenn man sich nicht auf die visuellen Hinweise verlassen kann. Alles ist in Bewegung, die Beleuchtung stört oder stabile „Anker“ wie Wände sind nicht vorhanden.

Durch Schwindel kann man verwirrt und überfordert sein. Viele Menschen brauchen Hilfe, Tipps und Anleitung, wie man selbst mit Schwindel umgeht und wie Familienmitglieder und Freunde dabei helfen können, mit den täglichen Herausforderungen zurecht zu kommen.

Man muss sich den Herausforderungen des täglichen Lebens mit einer vestibulären Störung anpassen, egal ob die Symptome allmählich oder auf einmal auftreten. Routineaufgaben, wie z.B. Einkaufen oder der Zahnarztbesuch müssen neu bewältigt werden.

Probleme dabei sind z.B.:

  • Müdigkeit durch Anstrengung der Augen, um das Gleichgewicht zu finden.
  • Anstrengung durch eine laute Umgebung mit vielen Menschen, wie Supermarkt, Einkaufszentrum, Sportveranstaltung, Kino oder Theater. 
  • verminderte Kontrolle über das Gleichgewicht im Straßenverkehr mit Autos, Bürgersteigen oder Treffen auf andere Fußgänger.

Wenn zu viel Energie benutzt wird, um das Gleichgewicht zu halten und um ruhig zu bleiben, geht Energie für andere Aktivitäten verloren. Müdigkeit und Erschöpfungsetzen ein. Für Aktivitäten, die normalerweise mit Leichtigkeit und wenig Aufwand erledigt werden, wird jetzt viel mehr Aufwand benötigt.

 

Anleitungen und Tipps für einen besseren Umgang mit vestibulärer Störung:

Aktiv bleiben kann helfen, die Symptome einer vestibulären Störung zu kontrollieren oder sogar zu reduzieren. Bestimmte Übungen werden wir Ihnen zeigen, die die Beschweren bessern können

 Beleuchtung

Menschen mit vestibulären Störungen haben Schwierigkeiten mit der Wahrnehmung von Licht. Sie können empfindlich auf helles Licht oder sogar Tageslicht sein. Das Tragen einer Sonnenbrille schützt und beruhigt das Auge.

Verschiedene Arten von Beleuchtungen (z.B. Leuchtstofflampen, Leuchtspots, dimmbare Lampen und flackerndes Kerzenlicht) können visuelle Schwierigkeiten verursachen. Es hilft sich mit dem Rücken zum Licht oder sich vom Licht wegzusetzen. Im Büro kann die Verwendung einer Tischleuchte mit Glühbirne das fluoreszierende Lichtflimmern von Leuchtstoffröhren verkleinern.

Digitale Fernsehgeräte, 3D-Filme und Computermonitore können die Empfindlichkeit gegenüber einer vestibulären Störung erhöhen.

Sehen

Mit dem Tragen einer Brille, insbesondere einer Gleitsichtbrille ändert sich die Größe der gesehenen Welt, da die Weit- und die Kurzsichtigkeit korrigiert wird.

Diese Veränderung zwingt das Gehirn, das Verhältnis zwischen Kopf- und Augenbewegung neu zu berechnen, was bei einer Gleitsichtbrille noch schwieriger wird.

Es ist von Vorteil den Abstand zwischen dem Auge und dem Brillenglas gering zu halten.

Hilfreich dabei ist die Umstellung von Brille auf Kontaktlinsen.  Diese wird direkt an der Hornhaut des Auges getragen, so dass Objekte ohne Verzerrung und in der richtigen Größe erscheinen können. In einigen Fällen können Kontaktlinsen auch dazu beitragen, den mit einer vestibulären Störung verbundenen Nystagmus zu dämpfen.

Das eigene Zuhause kann man so gestalten, dass man auf die Verwendung von Mustern (z.B. Tapeten, Vorhänge, Decken oder Teppiche) verzichtet und lichtfilternde Vorhänge benutzt, um das Auge zu beruhigen.

Bewegen im Freien

Menschen mit vestibulärer Störung haben Probleme, sich auf ein Objekt zu konzentrieren und es zu fokussieren. Es scheint, dass es sich hin und her bewegt oder sich um das Objekt herum alles dreht.

  • Mit einem zusammenklappbaren Hocker im Kofferraum des Autos hat man die Möglichkeit sich überall setzen zu können.
  • Das Tragen einer Sonnenbrille beruhigt Licht und Bewegung.

Reisen

Für eine Person mit einer vestibulären Störung gibt es Bedingungen auf Reisen, die problematisch sein können, z.B. störende Beleuchtung, Höhen- oder Druckänderungen.

Man sollte nicht mit dem Flugzeug fliegen, wenn Nebenhöhlen oder Ohren entzündet sind oder es Mittelohrprobleme aufgrund von schnellen Druck-/ Höhenänderungen gibt.

Wie man eine Reise gestaltet, ist abhängig von der Diagnose, der Transportmethode (z.B. Zug, Boot, Flugzeug, Auto), den Bedingungen vor Ort und den dort geplanten Aktivitäten.

Während der Fahrt im Auto, im Bus oder Zug sollte das Lesen oder Arbeiten am Computer vermieden werden.

Bei Lichtempfindlichkeit ist auch hier das Tragen einer Sonnenbrille ratsam.

Besuch im Restaurant

Menschen mit vestibulärer Störung können sich in lauten und vollen Restaurants nur schwer zurechtfinden. Durch einige Anpassungen kann man dennoch in der Lage sein, Freunde zu treffen. Doch auch bei der besten Planung kann es zu Schwindel oder Desorientierung kommen. Offenes Erklären des Problems und Vorschläge, wie geholfen werden kann, erleichtert die Situation.

Um die Lautstärke im Restaurant gering zu halten, sollten die Räume klein sein und auf Stoßzeiten und Hintergrundmusik verzichtet werden.

Setzen Sie sich in eine Ecke des Restaurants und vermeiden Sie die geschäftige Mitte, die Nähe von Küchen, Kassen und Bars.

Gemusterte Tapeten und glänzende Böden sollten gemieden werden.

Die Planung des Essens kann man manchmal von zu Hause aus über die Speisekarte auf der Website entscheiden. Das vermeidet visuelle Belastung und Verwirrung.

Wählen Sie den Sitzplatz an einen runden Tisch oder an der Stirnseite des Tisches, um die Kopfbewegungen zu reduzieren.

 Arztbesuch (z.B. Zahnarzt)

Ein Arztbesuch kann oft unangenehm für eine Person mit einer vestibulären Störung sein, z.B. Lokalanästhesie, intensive Beleuchtung, den Mund länger geöffnet halten oder die Anpassung an eine verstellbare Stuhl- oder Liegeposition.

Es ist unangenehm, wenn der Stuhl oder die Liege gesenkt oder angehoben wird. Informieren des Arztes über die Situation ist hilfreich. Er sollte warnen, bevor er den Stuhl oder die Liege langsam hebt oder senkt und während der Bewegung sollte der Patient eine aufrecht sitzende Position einnehmen können.

Pausen mit Aufrichten, Handzeichen und eine niedrige Position des Stuhls oder der Liege erleichtern die Orientierung.