Privatpraxis Dr. Jochen Krüger

Das Gleichgewicht

Das Funktionieren des Gleichgewichtssystems wird dem Menschen selten bewusst. Das ändert sich, sobald eine Störung auftritt, so z.B. mit dem Symptom Schwindel.

Das körperliche Gleichgewicht setzt sich aus verschiedenen Einzelsinnen zusammen:

  • Gleichgewichtsorgan (erkennt die Richtung, aus der die Schwerkraft und die Beschleunigung kommt)
  • Sehen (Wahrnehmen der Position im Raum)
  • Tastsinn
  • Tiefensensibilität

Durch eine ausgeglichene Gewichtsverteilung soll ein stabiler Zustand des Körpers in Bewegung und in Ruhe hergestellt werden.

Ein Mensch mit gut funktionierendem Gleichgewichtssinn kann sich im Raum gut orientieren und in der Bewegung klar sehen. Er kann die Bewegung so bestimmen, dass der Körper durch muskuläre Koordination das Gleichgewicht findet.

Das Gehirn (zentrales Nervensystem, ZNS) stellt aus verschiedenen Informationen einen Gleichgewichtszustand her. Die Informationen entstammen aus drei peripheren Quellen:

  • Augen
  • Muskeln, Sehnen, Gelenke und Oberflächenrezeptoren (Propriozeption)
  • das Gelichgewichtsorgan im Innenohr

Das Auge

Die Sinneszellen des Auges (Zapfen und Stäbchen) wandeln die elektromagnetischen Wellen des Lichts in der Netzhaut in Nervenimpulse um. Diese werden über den Sehnerv an das Gehirn (ZNS) weitergeleitet. Hier entsteht das eigentliche Bild.

Bei einer Erkrankung, z.B. Schwächung der Augenmuskeln, können die Informationen im Auge nur teilweise umgesetzt werden und erreichen das Gehirn (ZNS) unvollständig.

Es kann zu plötzlichen Störungen des Gleichgewichts kommen.

Muskeln, Sehnen, Gelenke und Oberflächenrezeptoren

Im sogenannten Propriozeptiven System werden dem Gehirn (ZNS) die Reize nicht aus der Umwelt, sondern aus dem eigenem Körper mitgeteilt.

Es werden Informationen aus Haut, Muskeln, Sehnen und Gelenken über sensorische Rezeptoren, die empfindlich auf Bewegung oder Druck in den umliegenden Geweben reagieren, gesammelt.

Die Rezeptoren der Gelenke und Muskeln leiten Informationen über die Stellung der Arme, Beine und anderer Körperteile an das Gehirn weiter. Das Gehirn kann somit die Statik des Körpers regulieren.

Aber auch die Drucksensoren der Haut leiten Informationen an das Gehirn (ZNS) weiter. Das sind Informationen über die Beschaffenheit des Untergrundes, in welcher Haltung wir uns befinden und in welcher Geschwindigkeit wir uns bewegen.

Besonders wichtig sind die sensorischen Impulse aus dem Hals und der Fußsohle. Propriozeptive Informationen aus dem Hals zeigen die Richtung an, in die der Kopf gedreht wird. Informationen von den Füßen zeigen, ob der Körper sich im Stand oder Bewegung befindet und geben auch Auskunft über die Qualität der Bodenoberfläche (z. B. hart, weich, rutschig oder uneben).

Das Gleichgewichtsorgan

Das Gleichgewichtsorgan (vestibuläre Organ) des Menschen befindet sich im Innenohr und hat fünf Bestandteile: die drei Bogengänge und zwei Vorhofsäckchen (Maculaorgane). Es ist ein System, dass Bewegung und Beschleunigung in alle Richtungen wahrnimmt und erkennt.

Die Maculaorgane (Sacculus und Utriculus) erfassen die lineare Bewegung (eigentlich: Beschleunigung) des Körpers im Raum. Die Macula des Sacculus erkennt die vertikale und die des Utriculus die horizontale Beschleunigung. Die Härchen der Sinneszellen ragen in eine Membran mit kleinen Kalkkristallen. Diese folgen der Schwerkraft und drücken oder ziehen bei Bewegung die Sinneshaarzellen, die diesen Reiz an das Gehirn (ZNS) weiterleiten.

Die drei Bogengänge im Innenohr sind für den Drehsinn zuständig. Sie erfassen die Drehbeschleunigung des Kopfes im Raum. Die Bogengänge sind zum Teil mit Lymphflüssigkeit gefüllt und stehen jeweils im rechten Winkel zueinander. An deren Wandinnenseite befinden sich die Haarzellen (Sinneshaarzellen). Bewegt sich der Kopf, bewegt sich auch die Flüssigkeit in den drei Bogengängen, welche die Sinneshaarzellen reizt. Dieser Reiz wird über die Gleichgewichtsnerven an das Gehirn (ZNS) weitergeleitet zur Gleichgewichtskontrolle.

Im Gehirn (ZNS) werden diese Informationen verarbeitet und an andere Organe weitergeleitet (z.B.: Augen, Gelenke, Muskeln). Dadurch wird unser Körper im Gleichgewicht gehalten und kann sich im Raum orientieren.

Leben mit einer vestibulären Störung